4.1.1.4 Die Form der Vorderkante

Die Form der Vorderkante hat ebenfalls deutliche Leistungsauswirkungen. Ein größerer Nasenradius (stumpfe Vorderkante) erlaubt einen größeren Anstellwinkel, es kann also mehr Höhe gefahren werden und der ideale Anstellwinkelbereich ist breiter. Das Geschwindigkeitspotential nimmt allerdings ab.

Ein kleiner Nasenradius bewirkt gegenteilige Effekte. Da die Strömung nur dann am Profil anliegt, wenn der Anstellwinkel ideal ist, ist das technische Können des Fahrers stärker gefordert. Wenn man auf den verschiedenen Kursen eine möglichst gute Allroundleistung erwartet, kann bei ausgezeichneter Fahrtechnik ein kleiner Radius verbunden mit eher flachem Profil zu einem Vorteil werden.

ABBILDUNG 14: Die Anströmkante

Blackdiamonds_theory_14

NR Nasenradius

S Profilsehne

Ein kleiner Nasenradius eignet sich besonders gut für geschwindigkeitsorientierte Laminarprofile, größere Radien bringen dagegen mehr Auftrieb und reagieren auf Veränderungen des Anstellwinkels nicht zu empfindlich.

Die Nase (Profilvorderkante) ist für Beschädigungen besonders empfindlich. Unregelmäßigkeiten in diesem Bereich der Finne machen sich vor allem durch eine Abnahme des Höchstauftriebs bemerkbar. Regattafahrer sollten diesem Aspekt ihr Augenmerk schenken.


Der Nasenradius steht nach den Erkenntnissen der Yachtkonstrukteure in einer engen Beziehung vor allem zu Profildicke, aber auch zur Profiltiefe und zum absoluten Wert der Finnenbreite. Erkenntnisse aus dem Yachtbau lassen sich jedoch nicht immer vollständig auf die Finnenfunktion übertragen und theoretische Überlegungen werden nicht selten durch praktische Erfahrungen modifiziert. Mit Sicherheit kann jedoch gesagt werden, dass die Anströmkante einen gewissen Radius besitzen muss, damit bei seitlicher Abdrift noch eine einwandfreie Strömung aufgebaut werden kann. Eine scharfe Anströmkante kann außerdem Ursache gefährlicher Verletzungen werden.