4.3.1.1 Das Seitenverhältnis, die Finnenlänge und die Finnenfläche

Ist die Finne nur wenig gekurvt, kann das Seitenverhältnis aus dem Verhältnis von Finnenlänge zu mittlerer Finnenbreite errechnet werden. Lange und schlanke Finnen bringen mehr Auftrieb als kürzere und breitere Finnen gleicher Fläche bzw. gleichen Lateralplans, da sich die Auftriebsstärke proportional zum Quadrat des Tiefgangs erhöht. So erzeugt eine doppelt so lange Finne den vierfachen Auftrieb im Vergleich zu einer halb so langen Finne gleicher Fläche. Daraus ergeben sich aber natürlich auch rasch anwachsende Kontrollprobleme im überpowerten Zustand.

Die negativen Auswirkungen der Umströmung der Finnenspitze werden also durch schlanke Finnen entschärft. Das Seitenverhältnis wird somit zu einem wesentlichen Faktor für die Finnenleistung. Gute Racefinnen haben ein Seitenverhältnis von etwa 1 zu 8.

Wird die Finne zu schmal, führt das zu Problemen beim Angleiten und zu Leistungsverlust vor allem bei geringen Windstärken.

ABBILDUNG 20: Finnentiefgang und Auftrieb

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Die Finne a hat die gleiche Fläche (gleichen Lateralplan) wie die Finne b, jedoch den doppelten Tiefgang (~ doppelte Länge). Theoretisch erhöht sich damit der Auftrieb der Finne a auf das Vierfache, schafft jedoch auch genauso schnell Kontrollprobleme.

Die Frage der Anströmkantenlänge führt unmittelbar zur Frage nach der Finnengröße bzw. Finnenlänge. Theoretische Werte aus dem Yachtbau sind dabei kaum hilfreich. Der Fachliteratur kann entnommen werden, dass die Schwertgröße einer Yacht 4 Prozent der Segelgröße nicht unterschreiten sollte. Bei Verwendung dieses Wertes käme man bei einem 12,5 m² Segel auf eine Finnenfläche von 5.000 cm². Nun sind durchschnittliche Kursrennfinnen wesentlich kleiner, ihre Fläche liegt zumeist zwischen 600 und 650 cm². Dieser Wert entspricht etwa 0,5 Prozent der Segelgröße oder etwas weniger. Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied mag in den höheren Gleitgeschwindigkeiten des Surfboards liegen im Vergleich zur Verdrängerfahrt einer Yacht. Die Wichtigkeit einer guten Finne zeigt dieser Größenvergleich auf jeden Fall und die Tatsache, dass das Surfboard selbst in Gleitfahrt nur sehr geringe hydrodynamische Seitenkräfte entwickelt, unterstreicht dies ebenfalls.

Um gute Werte beim Angleiten und auf der Kreuz zu erzielen, ist die etwas längere Finne zu empfehlen. Legt man dagegen mehr Wert auf Speed, Laufruhe und Kontrolle, wird die kürzere Finne die bessere Wahl sein.

Immer wird die Finnenlänge in Bezug zu setzen sein zur Segelgröße, Boardgröße, Windstärke, Wellenbedingungen und Fahrergewicht.