4.3.2 Die Verwindung

Die Verwindung setzt sich aus Twist und Flex zusammen, beide Werte sind immer miteinander kombiniert. In der Harmonie der beiden Werte liegt ein ganz wesentliches Kriterium für eine optimale Finnenfunktion.

Beide Faktoren verhindern im Idealfall den Strömungsabriss im Spitzenbereich. Der Flex der Finne soll harmonisch sein, d.h. unter Belastung soll sich die Finne in einer weichen Kurve zur Spitze hin zunehmend, also progressiv biegen. Das gleiche gilt für das Twistverhalten. Bei längeren Finnen wie Formulafinnen kann die Verwindung mit einem zunehmenden Wölbungsverhältnis in Richtung Spitze hin kombiniert sein, d.h. die relative Finnendicke kann geringfügig zunehmen.

Das Erfassen sämtlicher Parameter des Biegeverhaltens einer Finne ist unmöglich, da es in der Praxis zu ständigen Veränderungen der Finnenbelastung und damit zu ständig neuen Reaktionen der Finne kommt. Das Optimum im Biegeverhalten wird daher immer ein Kompromiss in Bezug auf unterschiedliche Anforderungen sein und ganz wesentlich durch den praktischen Test bestimmt werden

Insgesamt eher weiche Finnen sind auf Raumschotkursen bei nicht sehr hoher Geschwindigkeit gutmütig und zeigen auch gute Manövereigenschaften. Schon auf Halbwindkurs neigen sie zum Wegschmieren, zu Spin Out und das Halten der Höhe wird zum Problem.

Harte Finnen bringen zumeist gute Leistung auf Halbwindkurs und auf der Kreuz, neigen jedoch zu Kontrollproblemen, zu sehr schwer beherrschbarem Spin Out und sind nicht unbedingt am schnellsten.

Finnen mit sehr hartem Flex und sehr weichem Twist halten sehr schlecht Höhe, sie arbeiten nicht.

Finnen mit sehr weichem Flex und sehr hartem Twist schmieren weg und neigen zu Spin Out, sie arbeiten ebenfalls nicht.

Die gute, „intelligente“, „mitdenkende“ Finne „arbeitet“, d.h. sie flext und twistet bei den stets wechselnden Belastungen so, dass es nicht zu einem Strömungsabriss kommt und dass die Rückstellgeschwindigkeit in die Ausgangsposition ausreichend hoch ist. Sie unterstützt den Fahrer aktiv, beabsichtigte Höhe und maximale Geschwindigkeit zu erreichen und zu halten. Fahrtechnik und Gewicht des Fahrers sowie die Daten von Brett und Rigg spielen dabei mit eine wichtige Rolle. Gute Wave- und Freeridefinnen werden den Fahrer vor allem beim Manöver unterstützen, Slalomfinnen werden besonders auf Halbwindkurs und raumschots hohe Geschwindigkeiten ermöglichen und im Manöver neutral bleiben, während Formulafinnen mittlerer Härte (bei sehr geringem Twist) hohe Luvgeschwindigkeit erreichen sollen sowie raumschots gut kontrollierbar und sehr schnell sein sollen.