6.1 Die Formulafinne

Der derzeitige Austragungsmodus von Kursrennen in der Formula Windsurfing fordert von der Finne zwei einander widersprechende Leistungen.

Einerseits soll eine möglichst hohe Luvgeschwindigkeit erreicht werden, um auf der Kreuz wettbewerbsfähig zu sein, andererseits sollen tiefe Raumschotwinkel mit möglichst hoher Geschwindigkeit gefahren werden können.

Es wird also vor allem die Profilwahl zu einem Balanceakt zwischen guten Höhelaufeigenschaften und hoher erreichbarer Maximalgeschwindigkeit werden.

Auf Grund des doch beträchtlichen Tiefgangs dieser Finnen können Erkenntnisse aus dem Yachtbau bereits stärker einfließen. So weist eine leistungsfähige Formulafinne über die Gesamtlänge verteilt nicht mehr ein gleichartiges Profil auf. Es hat sich als günstig herausgestellt zur Finnenspitze hin die relative Profildicke etwas zunehmen zu lassen und die Profiltiefe kann von der Basis zur Spitze hin etwas abnehmen. (Achtung: das ist ein relativer Wert, natürlich wird die Finne zur Spitze hin dünner!).

Eine weitgehend gerade Anströmkante dürfte die Gesamtleistung der Finne positiv beeinflussen, spektakuläre Outlines brachten bis jetzt keinerlei Vorteile, die klare Linie steht für klare Überlegungen des Konstrukteurs.

Obwohl grundsätzlich etwas steifere Finnen mehr Leistung bringen, sind ein gewisses Maß an Twist und Flex unbedingt für das „Arbeiten“ der Finne, für die Kontrolle bei Top-Speed und für die Halse notwendig. Maßgebend für die Wahl der geeigneten Formulafinne wird auch der persönliche Fahrstil sein. Feinfühlige Fahrer werden beim Flex eher zur weicheren Finne greifen, während der „harte“ und schwere Fahrer oft auch härtere Finnen bevorzugen wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es in allen Fällen von Vorteil ist, den Twist ziemlich hart bis sehr hart zu halten.

Wer sozusagen „aus dem Stand heraus“ Höhe knüppeln möchte, wer eine möglichst komfortable und einfach zu fahrende Finne wünscht und Spin Out weitgehend vermeiden möchte, wird etwas dickere Finnenprofile mit auch etwas größerer Fläche wählen. Der speedorientierte und gefühlvollere Fahrer wird zu dünneren Profilen mit geringerer Fläche greifen und die höhere Spinoutgefahr durch sensible Fahrweise ausgleichen. Bei gleichbleibender Segelgröße werden das Fahrergewicht, die Körpergröße und die Windstärke ebenfalls die Wahl beeinflussen.

In der Summe stellt die richtige Wahl der geeigneten Finne den Fahrer bei jedem Rennen erneut vor eine schwierige Entscheidung. Langjährige Erfahrung bringt hier Vorteile und da nie alle Parameter berücksichtigt werden können, wird auch das Glück für den Erfolg mit maßgeblich sein.

Aus meiner Sicht heraus stellt sich die Formfinne mit Sandwichbauweise als der geeignetere Typus dar, um im Courserace wettbewerbsfähig zu sein. Es kann auf die individuellen Wünsche des Fahrers eingegangen und somit ein maßgeschneidertes Produkt geliefert werde.